ICH WÜNSCH DIR EINEN SOHN

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Wenn ich mir heut meine Söhne anschau
Dann wird es mir öfter im Magen ganz flau
Dann fällt mir ein Satz meiner Mutter wieder ein
Den konnt’ ich ihr damals nie recht verzeihn
Ich war doch immer lieb und brav und lustig und toll
Von Glück erfüllt und von Begeisterung voll
Doch wusste sie das scheinbar nicht immer zu schätzen
Anstatt sich an meinen guten Seiten zu ergötzen 
Ließ sie schon, als ich noch in der Grundschule war
Manchmal an mir kein gutes Haar
Ein seltsamer Zug trat dann in ihr Gesicht
Und ich höre noch heut, wie sie ernst zu mir spricht:

ICH WÜNSCH DIR EINEN SOHN, wie du einer bist
So rapplig und so zapplig und im Kopf so viel Mist
Einen Hamperer, Gamperer, müpfigen Geist
Der nix kann, jedoch die Klappe aufreißt
Ein laufender Meter, ein richtiger Zwerg
Doch so laut wie ein ganzes Silvesterfeuerwerk
Einen Limosüffler und im-Auto-mal-müsser
Einen Nixkapierer und Besserwisser
Einen Faxenmacher, Schwesteranmauler
Mohrenkopffresser und Bauchwehjauler
Einen Schultaschenschmeißer, einen Türenknaller
Einen Zeitungspapierkugelzimmerfussballer
Einen Kuchennascher, Tellerzerbrecher
Mit Leberwurstmesser-in-die-Butter-stecher
Einen Morgenmuffel, einen Abendnerver
Einen Kühlschrankklau und Wasserbombenwerfer
Ganz einfach einen, der so ist wie du
Und ich lehn mich dann zurück und schau zu

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Auch später kam das manchmal, da wuchs mir schon der Bart
Ich rauchte und fühlte mich ungeheuer smart
Keine Pflicht war mir zu weit und keine Jeans zu eng
Und flirten konnte ich aa scho a weng
Und war immer noch lieb und nett und lustig und toll
Von Glück erfüllt und von Begeisterung voll
Doch wusste sie das scheinbar nicht immer zu schätzen
Anstatt sich an meinen guten Seiten zu ergötzen
Ließ sie, obwohl ich schon ein Jüngling war
Manchmal an mir kein gutes Haar
Dann bekam sie diesen seltsamen Zug im Gesicht
Und ich höre noch heut, wie sie ernst zu mir spricht:

ICH WÜNSCH DIR EINEN SOHN, so wie du einer bist
So rapplig und so zapplig und im Kopf so viel Mist
Die Haare speckig und die Hose ebenso
Jenseits aller Pflichterfüllung stets vergnügt und froh
Einen Dreckmacher, einen Abwaschvergesser
Einen Drei-Portionen- auf einmal- Esser
Einen Comicexperten und Matheverbocker
Einen Pistenhirsch und Biergartenhocker
Einen Zimmervollkotzer, einen Besserunggelober
Einen Stundenlangerzähler von Quark und Zinnober
Einen Ausdiskutierer, einen Allesaufschieber
Einen Endlosschläfer, je länger, je lieber
Einen Mädchenjäger und Halbschattenküsser
Einen Badnichtputzer und Danebenpisser
Lässig, doch mit null Frustrationstoleranz
Die Hände in den Taschen und das Hirn im Schwanz
Und ärgerst du dich grad ganz fürchterlich
Dann denk mal an mich, dann denk mal an mich.

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Ja, und wenn ich mir heut meine Söhne anschau
Dann schwant es mir manchmal ziemlich genau
Bei der einen oder anderen Gelegenheit
Was sie so genervt hat seinerzeit
Ohne das jetzt groß vertiefen zu wollen
Verspüre ich dann innerlich ein dumpfes Grollen
Ich sag mir zwar, die sind doch lieb und lustig und toll
Von Glück erfüllt und von Begeisterung voll
Doch gesteh ich, ich weiß das nicht immer zu schätzen
Anstatt mich an ihren guten Seiten zu ergötzen
Bekomm ich diesen seltsamen Zug im Gesicht
Und dann kann es passieren, dass sie aus mir spricht
Und was ich dann sage, das wisst ihr ja schon...
Es gibt nichts Zauberhafteres als den eigenen Sohn!

Copyright © Sigi Aldenhoff 1/2009. Alle Rechte vorbehalten.